Vielfältige Gesellschaft : Unsere Ideen und Forderungen zur Landtagswahl 2022

Unsere bunte, vielfältige Gesellschaft braucht eine Politik, die diese Vielfalt anerkennt und fördert. Vielfalt muss auch in der Politik abgebildet werden. Gleichzeitig braucht es konkretes Engagement gegen Diskriminierung in jeglicher Form. Dafür fordern wir konkret:

  • Vielfalts- und diskriminierungssensible Bildung von Lehrkräften und weiterem pädagogischen Personal
  • Einführung eines Landesantidiskriminierungsgesetzes nach dem Vorbild Berlins
  • Selbstorganisationen und Support-Strukturen weiter fördern und ausbauen
  • Der Durchsetzung von Konzepten wie dem „Gesetz zur Regelung des Erscheinungsbildes von Beamtinnen und Beamten“ entschieden entgegentreten

Feminismus

  • Frauen, inter*, trans* und nicht binäre Menschen in Handwerk und Landwirtschaft fördern
  • Frauen, inter*, trans* und nicht binäre Menschen im MINT-Bereich fördern
  • Gender-Data-Gap bekämpfen
  • Strategie für den Schutz zugewanderter Mädchen und Frauen, inter*, trans* und nicht binärer Menschen schreiben
  • Gender Budgeting: Landeshaushalt auf seinen Einfluss auf die tatsächliche Gleichstellung aller Geschlechter überprüfen und ausrichten
  • Istanbul-Konvention umsetzen
    • Offensiv gegen geschlechtsspezifische Gewalt vorgehen: Gewaltprävention, Unterstützung und Schutz von Betroffenen von geschlechtsspezifischer Gewalt mit sicherer und bedarfsorientierter Finanzierung
    • bessere finanzielle Unterstützung für Schutzeinrichtungen, wie z.B. Frauenhäusern
      • Existenz solcher Einrichtungen sicherstellen
      • barrierefreie Gestaltung von Schutzräumen für Frauen
  • Selbstbestimmungsrecht von Frauen verteidigen: Kopftuch- und Verschleierungsverboten entschieden entgegentreten
  • Beratungsinfrastruktur für Schwangerschaftsabbrüche und Familienplanung ausbauen
  • Verbot sexistischer Werbung
  • landesweiter Verhütungsmittelfonds
  • kostenlose Menstruationsartikel an Schulen und in öffentlichen Gebäuden

Queerpolitik

  • Queersensible Bildung
    • auch außerhalb von Sexualkunde
    • Schule als diskriminierungssensibler und -kritischer Raum
    • Sexuelle und Geschlechtliche Vielfalt als Querschnittsthema in die Lehr- und Ausbildungspläne und als Teil der Lehrer*innenbildung
    • Berücksichtigung von inter* und nicht-binären Menschen z.B. durch All-Gender Restrooms und Lösungen für binär ausgelegte Prüfungen im Sportunterricht
    • Stärkung und Ausbau der landesweiten queeren Antidiskriminierungsarbeit
  • bedarfsdeckendes Beratungsnetz insbesondere im ländlichen Raum
    • auch für junge queere Menschen
    • spezifische und gut erreichbare Beratungsangebote für queere Geflüchtete und Migrant*innen
    • bisher auf Projektbasis finanzierte Initiativen strukturell und institutionell fördern
    • den bestehenden Landesaktionsplan Echte Vielfalt weiter stärken, ohne seinen Charakter als Teil der queeren Selbstorganisation zu verändern
  • Bedürfnisse queerer Menschen in medizinischer und pflegerischer Praxis umsetzen
  • Kinderwunschbehandlung auch außerhalb der heteronormativen Familie unterstützen

Inklusion

  • Entstigmatisierung von Behinderungen und psychischen Störungen
  • neue öffentliche Gebäude müssen barrierefrei sein, finanzielle Mittel und Fördergelder erhöhen
    • Landesblindengeld auf 600€ erhöhen
  • Gebärdensprache als Minderheitensprache anerkennen
  • Barrierefreie Verwaltung
    • Barrierefreiheit als Maßgabe für Fördermittel und Aufträge
  • Leichte Sprache stärken

Antirassismus

  • strukturelle Finanzierung für Antirassismus-Initiativen
  • rassismuskritische Personalentwicklung in der Landesverwaltung
  • antirassistische Schulungen für die Polizei fördern
  • Racial-Profiling verstärkt aufarbeiten
  • alle Formen von Rassismus anerkennen und benennen: insbesondere auch anti-muslimischen Rassismus und Antiziganismus bekämpfen!

Kampf gegen Antisemitismus

  • Anerkennung der Definition der Internationalen Holocaust-Gedenkallianz (IHRA) von Antisemitismus
  • Stärkung der Melde-Infrastruktur (LIDA-SH)
  • Jüdisches Leben in SH weiterhin stärken, absichern und sichtbar machen

Erinnerungskultur

  • Erinnerungsorte wie KZ-Gedenkstätten, Denkmäler und andere Orte der Geschichte unterstützen und zu Lernorten machen
  • Umbenennung von allen Straßen und Plätzen, die in Verbindung zu Täter*innen des Kolonialismus und Nationalsozialismus stehen
  • Ehrenmale durch weitergehende Informationen kontextualisieren

Gesundheit: Unsere Ideen und Forderungen zur Landtagswahl 2022

Im Mittelpunkt des Gesundheitssystems stehen die Patient*innen und Arbeitnehmer*innen. Unsere Gesundheitspolitik basiert auf Vorsorge und Prävention von Erkrankungen.

Wir müssen von der Profitorientierung und Privatisierung im Gesundheitsbereich wegkommen. Die Gesundheitsversorgung gehört in staatliche Hand. Konkret fordern wir:

  • flächendeckende und qualitativ hochwertige Gesundheitsversorgung sicherstellen
  • vorausschauende Bedarfsplanungen etablieren, um den Mangel an Allgemeinmediziner*innen oder Kinderärzt*innen zu beenden und den Fachkräftemangel im Gesundheitswesen bekämpfen
  • Bedingungen in der Pflege verbessern:
    • bessere Bezahlungen
    • verbindliche Tarife
    • Arbeitsmodelle wie die 35-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich
  • Drogenkonsum entkriminalisieren
  • Prävention von Drogenkonsum stärken, auch der Volksdrogen Alkohol und Rauchen
  • psychotherapeutische Behandlung deutlich ausbauen
  • Mentale Gesundheit politisch thematisieren und über den gesellschaftlichen Diskurs zur Entstigmatisierung beitragen
  • mehr psychologische Unterstützung in Schulen
  • Module zu Gender, Diversity und Schwangerschaftsabbrüchen verbindlich im Medizinstudium und anderen Ausbildungen zu Gesundheitsfachberufen verankern
  • Erhalt von Krankenhäusern in kommunaler Träger*innenschaft, langfristig Rekommunalisierung privater Krankenhäuser
  • bessere Finanzierung und Stärkung des öffentlichen Gesundheitsdienstes
  • evidenzbasierter und vorausschauender Umgang mit der Corona-Pandemie-Bewältigung und Vorbereitung auf kommende Pandemien

Für eine feministische Verkehrspolitik

Im Verkehrssektor arbeiten ca. 78% Männer und prägen eine stereotypisch
männliche Sichtweise. So ist unser aktuelles Mobilitätskonzept auf die
Bedürfnisse traditioneller Familien mit einem Alleinverdiener zugeschnitten. Bei
der Planung von Mobilitätsinfrastruktur werden primär Arbeitswege kalkuliert,
die mit dem Auto angetreten werden. Care Arbeit, also Kinderbetreuung,
Angehörigenpflege oder Einkaufen wird in der Streckenplanung meist nicht
bedacht. Dabei sind es Frauen, die noch immer die meiste Sorgearbeit erledigen
und dafür aktuell auf gute Querverbindungen, Wegenetze und Barrierefreiheit
angewiesen sind. Vor Allem, weil deutlich mehr Männer ein Auto besitzen und
fahren. Mehr Männer erhalten Dienstwagen und selbst das Familienauto gehört in
etwa ⅔ der Fällen dem Mann.

Doch Mobilität ist ein Grundrecht und sollte für alle gemacht sein. Unser
Mobilitätskonzept sollte so ausgerichtet sein, dass alle davon profitieren.

Daher setzen wir uns als Grüne Jugend ein für:

  • eine verstärkte Einkalkulierung von Wegeketten in die
    Verkehrsbedarfsplanung: Viele Städte sind in der Verkehrsplanung
    sternförmig gedacht, vom Wohnort in die Innenstadt zur Arbeit. Eine Stadt,
    die Sorgearbeit einkalkuliert, muss Querverbindungen und Wegeketten mit
    einkalkulieren. Meistens befinden sich diese in einem Radius von unter
    10km. Daher braucht es zuverlässige, gut ausgebaute Fuß- und Radwege und
    ein ÖPNV Netz, dass auf eine dichte Taktung auf kürzeren Strecken in
    Wohnortnähe setzt.
  • Mehr multimodale Mobilitätsideen: Da Frauen deutlich häufiger die Wege
    ohne Auto bestreiten, sind sie angewiesen auf verschiedene Verkehrsträger.
    Dabei muss eine Vernetzung der Verkehrsträger mit eingeplant werden.
  • Mehr Sicherheit für den Verkehr ohne Auto: Für Wege mit Kindern ist es
    wichtig, dass Rad- und Fußwege breit ausgebaut sind und gut beleuchtet,
    sodass sie sichere Mobilität für Kinder und ältere Menschen ermöglichen.
  • Verletzungsrisiko für Frauen verringern: Crashtestpuppen, die genutzt
    werden, um Unfallauswirkungen zu testen, werden auf durchschnittlich
    männliche Körper zugeschnitten. Dadurch ist das Risiko für Frauen, bei
    einem Unfall verletzt zu werden, um 47% höher. Crashtestpuppen müssen auf
    verschiedene Körpergrößen und Geschlechter zugeschnitten werden.
  • Mitnahme von Kindern in Verkehrsplanung einkalkulieren: Gerade viele neue
    Mobilitätsangebote wie E-Scooter, Leihfahrräder oder Carsharing sind nicht
    auf die Mitnahme von Kindern ausgerichtet. Zu Teilen, weil sie nur für
    eine Person gedacht sind, zu Teilen, weil Kindersitze oder Ähnliches nicht
    mit einkalkuliert werden. Daher sollte bei der Planung von
    Verkehrsangeboten die Möglichkeit von Kindermitnahme mit bedacht werden.
  • Keine Bevorzugung mehr für Autos und Autoinfrastruktur gegenüber anderen
    Verkehrsträgern: Sowohl platztechnisch als auch finanziell werden Autos
    weiterhin bevorzugt. Es darf keine Priorisierung von motorisiertem
    Individualverkehr mehr geben.

FINT*-Förderung im MINT-Bereich

Die GRÜNE JUGEND Schleswig-Holstein setzt sich für eine stärkere Förderung von
FINT*-Personen im MINT-Bereich ein. Die Berufe im Bereich der Mathematik,
Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) sind meist noch sehr männlich
dominierte Felder. Seit Jahren steigt der Anteil der FINT*-Personen, die eine
Ausbildung im MINT-Bereich wählen, nur sehr langsam. Seit 2005 bewegt sich der
Anteil an FINT*-Personen in MINT-Studiengängen bei 30%, in Ausbildungsberufen
bei nur 11%. Die Gründe dafür sind vielfältig, von Geschlechterrollen, die vom
frühkindlichen Alter an vermittelt werden, bis hin zur männlich dominierten
Arbeitskultur. Schon im Kindesalter werden weiblich und männlich sozialisierte
Menschen in ihrem Interesse an MINT-Fächern unterschiedlich gefördert. Die mit
dem Alter zunehmend stärker forcierten Geschlechterrollen tragen dazu bei, dass
sich weiblich sozialisierte Menschen ab einem Alter von ca. 13 Jahren zunehmend
von MINT-Fächern abwenden. Fehlende Vorbilder in den MINT Berufsfelder tragen
häufig zu einem Desinteresse von weiblich sozialisierten Menschen bei.

Deshalb sind Maßnahmen zur Bekämpfung dieses Ungleichgewichts der Geschlechter
notwendig:

  • Frühe Interessenförderung von weiblich sozialisierten Menschen in MINT-
    Fächern in Bildungseinrichtungen
  • Abbau von Stereotypen bezüglich der geschlechtsspezifischen Eignung für
    MINT-Berufe und -Ausbildungen
  • Schulische Verankerung eines bundesweiten Girls Day
  • Abbau von Stereotypen und Vorurteilen auf Arbeitgebendenseite und damit
    einhergehende Veränderung der geschlechtsspezifischen Bewertung im
    Einstellungsprozess
  • Förderung von FINT-Professuren nach dem Kaskadenmodell und -Ausbildenden
    im MINT-Bereich und eine damit verbundene Schaffung von Vorbildern
  • Ausbau der Anlauf- und Beratungstellen für Betroffene sexualisierter,
    rassistischer und diskriminierender Übergriffe

Landeshaushalt geschlechtergerecht gestalten

Eine feministische Politik gehört nicht nur zur Grünen DNA, sondern es gibt auch
einen ganz klaren Verfassungsauftrag zur Gleichstellung der Geschlechter. Die
Einflüsse des patriarchalen Gesellschaftssystems sind vielfältig – unsere
Maßnahmen müssen es demzufolge auch sein. Frauen, inter*, trans* und nicht-
binäre Menschen erleben in ihrem Alltag eine finanzielle Benachteiligung. Zum
einen verstärkt kapitalistisches Wirtschaften intersektionale Diskriminierung
auf dem Arbeitsmarkt. Zum anderen ist auch die politische Ebene nicht frei von
internalisierter Misogynie. Im Rahmen einer Gleichstellungsstrategie, die den
Namen auch verdient hat, müssen wir den Haushalt mit einbeziehen. Für echte
Gleichstellung braucht es im Haushalt mehr als Symptombehandlung der
patriarchalen Unterdrückung. Es wird Zeit für eine geschlechtergerechte und
gleichstellungsorientierte Haushaltspolitik!

Ein erfolgreiches Genderbudgeting in Schleswig-Holstein braucht eine
systematische Analyse, Steuerung und Evaluation des Landeshaushalts und der
haushaltsrelevanten Entscheidungen bezogen auf seinen Beitrag zur tatsächlichen
Durchsetzung der Gleichberechtigung aller Geschlechter. Um bestehende Nachteile
abschaffen zu könne, muss der Haushalt geschlechterdifferenziert analysiert
werden. Wir müssen unsere Wissenslücken schließen und analysieren, welche
Auswirkungen die Ausgaben auf die Geschlechter und ihre Gleichstellung hat, um
mit den vorhandenen Mitteln aktiv Gleichstellung als Querschnittsthema zu
behandeln.

Um ein wirksames Genderbudgeting zu entwickeln, setzt sich die Grüne Jugend SH
dafür ein, dass das Land Schleswig-Holstein in wissenschaftlicher Begleitung …

– Gleichstellungsziele aufstellt, die anhand von Indikatoren und Kennzahlen
überprüft werden können.

– Statistiken geschlechterdifferenziert erstellt.

– in allen Phasen der Haushaltserstellung, von den Einnahmen hin zu den
Ausgaben, geschlechtergerecht agiert.

Eine kosteneffiziente Datenerhebung und Auswirkung ist angesichts des
angespannten Landeshaushaltes unerlässlich. Anerkannte
Gleichstellungsindikatoren, die bereits jetzt erhoben werden, sind zum Beispiel
im „Atlas zur Gleichstellung“ und im Gleichstellungsranking der Hochschulen zu
finden. Wir können mit bestehenden Daten die ersten Schritte hin zu einer
feministischen Finanz-, Bildungs-, Wissenschafts- sowie Arbeitsmarktpolitik
gehen. Das Thema ist nicht neu, auf den Erfahrungen und Machbarkeitsstudien
anderer Bundesländer, Kommunen und Staaten können wir aufbauen und unsere
Zukunft gerecht gestalten.

Unser langfristiges Ziel ist es, auf allen Ebenen Genderbudgeting umzusetzen.
Ein Anfang hat die Grüne Europafraktion mit den Wiederaufbaufonds und der
langfristigen Haushaltsplanung gemacht. Es ist Zeit, dass wir Verantwortung
übernehmen.

Kostenlose Menstruationsartikel an allen Grundschulen, weiterführenden allgemeinbildenden Schulen, Förderzentren, Hochschulen und berufsbildenden Schulen

Die Landesmitgliederversammlung der GRÜNEN JUGEND Schleswig-Holstein möge
beschließen, dass in allen Grundschulen, weiterführenden allgemeinbildenden
Schulen, Förderzentren, Hochschulen und berufsbildenden Schulen in Schleswig-
Holstein kostenlose Menstruationsartikel bereitgestellt werden.

Am 08. März zeigen Feminist*innen jedes Jahr aufs neue: Das Patriarchat ist noch nicht beendet! Dazu braucht es den feministischen Kampftag!

Anne Bachmann, FINT*- und genderpolitische Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Schleswig-Holstein sagt dazu:“Gerade in der Pandemie treten strukturelle Probleme zum Vorschein, die schon viel zu lange unter den Teppich gekehrt wurden. Systemrelevante Berufe werden mehrheitlich von Frauen ausgeübt und werden fast immer schlecht bezahlt. Menschen, die in Care-Berufen arbeiten, müssen endlich angemessen entlohnt werden. Nicht nur in der Pandemie braucht es bessere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen in traditionell weiblichen Berufen. Wir müssen auch über unbezahlte Sorgearbeit sprechen. Auch heute üben Frauen noch einen Großteil der unbezahlten Sorgearbeit, wie Kinderbetreuung oder die Haushaltsführung, aus. Durch geschlossene Kitas und Schulen nimmt diese Arbeit zu. Frauen verdienen immer noch fast ein Viertel weniger als Männer. Zusätzlich steigen sie häufig gezwungenermaßen früher aus dem Erwerbsleben aus oder reduzieren ihre Erwerbsarbeit, beispielsweise für die Kinderbetreuung. Nicht selten befinden sich Frauen deshalb in finanziellen Notlagen. Wir brauchen deshalb Maßnahmen wie den Ausbau kostenloser Kita- und Hortplätze. Wir fordern die Aufwertung von weiblich dominierten Berufen und eine Frauenquote von 50% bei Führungskräften in allen Betrieben.”


“Was ebenfalls viel mehr Aufmerksamkeit bedarf, ist, dass besonders migrantische Arbeiterinnen bereits vor der Pandemie unter unwürdigen Arbeitsverhältnissen einen ebenso unwürdigen Lohn für ihre Arbeit erhielten. Die Geltung von Arbeitsstandards und Ansprechpersonen außerhalb privater Haushalte, in denen häufig Frauen aus Osteuropa als private Pflegekraft arbeiten, müssen selbstverständlich sein. Darüber hinaus sprechen wir uns für die Erhöhung des Mindestlohns aus. Ein weiteres zentrales Thema hinsichtlich sicherer Arbeit und Arbeitsplatz ist die weit verbreitete sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz. Es ist kein Zustand, dass jede*r zweite*r diese schon einmal erfahren oder beobachtet hat. Um das zu verhindern, muss die ILO-Konvention 190 eingehalten werden sowie ein starkes und weltweit verbindliches “Null-Toleranz”-Signal gegen Sexismus und Gewalt gegen Frauen am Arbeitsplatz existieren”, ergänzt Nele Johannsen, Sprecherin der GRÜNEN JUGEND Schleswig-Holstein.

Leitantrag: Letzter Ausweg: Welt retten

BESCHLUSS LMV 2019.2, 22.09.2019

2019: Das Polareis und die Permafrostböden schmelzen, der Meeresspiegel steigt. Ein Hitzesommer jagt den nächsten. Überschwemmungen und nie da gewesene Hurricanes auf der einen Seite, Dürren auf der anderen. Das Ausmaß des menschengemachten Klimawandels zeigt seine ersten Wirkungen. Für uns ist klar: Wenn wir die Zivilisation, ein humanes und gutes Leben auf unserem Planeten wahren wollen, müssen wir das Klima schützen und eine sofortige Wende in der globalen Klimapolitik hinlegen. Es ist eindeutig! Letzter Ausweg: Welt retten.

CO2 endlich ordnungspolitisch besteuern

Damit wir eine globale Wende hinlegen können, muss sich unsere Weltwirtschaft grundlegend ändern. Das Wachstumsprinzip hat uns immer weiter in die Krise gestürzt. Dies müssen wir überwinden. Auch müssen Treibhausgase einen Preis erhalten, der ihren tatsächlichen Schaden abbildet. Das gute daran ist: Im Gegensatz zur eigentlichen Annahme entlastet eine CO2-Steuer in Verknüpfung mit einer Umlage, finanziell schlechter aufgestellte Menschen mehr als sie zu belasten. Wir fordern:

  • Die unmittelbare Einführung einer CO2 Steuer in Höhe von 120 Euro je Tonne CO2-Äquivalent und eine rasche Erhöhung bis zum Jahre 2030 auf 180 Euro je Tonne
  • Einführung einer Umlage in Höhe der Einkünfte durch die CO2 Steuer
  • Breite Etablierung von Postwachstumsforschung an deutschen Universitäten

Wendeprojekte nicht vernachlässigen

Wir wissen aber auch: Eine Steuer und eine reine ökonomische Anpassung alleine wird das Klima nicht retten. Wir dürfen die Energie-, Wärme-, Verkehrs- und Agrarwenden nicht vernachlässigen.

Wir setzen uns nach wie vor für einen massiven Ausbau des ÖPNV und ein Auslaufen von Diesel und Benzin bis 2030 ein. Schüler*innen, Auszubildende, Studierende, Rentner*innen und alle weiteren müssen ganz Schleswig-Holstein klimafreundlich erreichen können und dafür einen angemessen geringen Preis zahlen. Dazu müssen grundsätzliche Qualitätsverbesserungen vorgenommen werden. Wir wollen, dass die Prioritäten, die in den letzten Jahrzehnten auf dem MIV lagen, jetzt endlich auch auf der Schiene, bei den Bussen und beim Fahrrad ankommen.

  • Ausstieg aus Diesel und Benzin bis 2025
  • Investitionspaket Bus, Bahn und Fahrrad anstelle jeglicher 
    Neubauinvestitionen in Straßen
  • Langstreckenvelorouten durch Schleswig-Holstein
  • landesweite Einführung eines 365-Euro Ticket

Auch die Agrarwende muss grundsätzlich weiterverfolgt werden. Dies ist gerade in 
einem so agrarisch geprägten Land wie Schleswig-Holstein wichtig. Die 
quälerische und klimapolitisch unsinnige Massentierhaltung muss endlich verboten 
werden und ein übermäßiger Einsatz von Antibiotika muss sofort gestoppt werden. 
Wir wollen eine Anpassung der europäischen Subventionspolitik, die qualitative 
Produkte fördert und die industrielle Tierhaltung fallen lässt.

  • Sofortiges Verbot von quälerischer Massentierhaltung mit einer starken 
    Verbesserung der unangekündigten und unabhängigen Kontrollen
  • Überarbeitung der GAP
  • Landes- wie bundesweiter Ankauf und Renaturierung von landwirtschaftlich 
    genutzten Moorflächen
  • Bundesweite Reduzierung der Nutztierbestände

Essentiell für die Bekämpfung des Klimawandels ist die Energiewende. Doch gerade 
die stockt derzeit. Wir wollen, dass unsere Ausbauziele für Wind und Sonne 
endlich auch den tatsächlich erreichten Fakten entspricht.

  • Sofortiges Ende des Ausbaumoratoriums
  • Invesitionsoffensive Erneuerbare
  • Landesweites Solarkataster
  • Verringerung der Mindestabstände zu Wohnhäusern bei Windkraftanlagen
  • 300% Windkraft in Schleswig-Holstein bis zum Ende der Legislatur

Frauen*kampftag!

Am 8. März ist der Frauen*kampftag und wir gehen auf die Straße, um laut und deutlich zu zeigen, dass der Kampf noch nicht zu Ende ist! Seit 1911, als die Sozialistin Clara Zetkin den ersten internationalen Frauen*tag begründete, hat sich viel verändert. Doch obwohl eine Frau an der Spitze unserer Regierung steht und Männer* und Frauen* laut Grundgesetz gleichberechtigt sind, gibt es noch immer keine gesellschaftliche Gleichberechtigung! In vielen Bereichen des Alltags erfahren Frauen* derweil Diskriminierung: ob im Beruf, in der Haus- und Sorgearbeit, oder durch Sexismus in der Popkultur. Jede dritte Frau* in Europa hat in ihrem Leben körperliche und/oder sexuelle Gewalt erfahren, die Bezahlung von Frauen* und Männern* in Deutschland unterscheidet sich bei gleicher Qualifikation um 22%.

Unsere Gesellschaft ist durch ein starres System geprägt, das auch im 21. Jahrhundert nur die Geschlechter “Frau” und “Mann” zulässt. Dieses zweigeteilte Modell entspricht nicht der Wirklichkeit und muss aufgebrochen werden! Wir leben in einer männlich* dominierten Welt, die Frauen* in ihren Lebenswelten strukturell diskriminiert und ihnen Raum nimmt.

Außerdem werden besonders Frauen* und deren Körper zu einem Objekt auf dem ausbeuterischen Markt des Kapitalismus gemacht, was Frauen* unter einen großen Anpassungs- und Leistungsdruck setzt. Der Kampf für Frauen*rechte ist daher auch immer ein Kampf gegen den Kapitalismus!

Wir sehen europaweit rechtspopulistische Parteien erstarken und in Parlamente einziehen. Sie verbreiten antifeministische Inhalte und vertreten reaktionäre Familienbilder und Rollenvorstellungen. Queer*feministisch zu sein, bedeutet daher auch, sich strikt gegen rechte, antifeministische Propaganda zu positionieren. Insbesondere wenn sie versuchen, unter dem Deckmantel feministischer Bestrebungen rassistische Aussagen zu rechtfertigen. Unser Feminismus ist antirassistisch!

Besonders Frauen*, die nicht dem Idealbild des Kapitalismus entsprechen, Frauen*, die nicht weiß, reich und heterosexuell sind, sind von vielen Arten der Diskriminierung betroffen. Wir fordern Gleichberechtigung auf allen Ebenen der Gesellschaft und stehen für einen Feminismus, der den ethnischen und sozialen Hintergrund, sowie die sexuelle Orientierung und das Geschlecht der Menschen berücksichtigt.

Lasst uns solidarischen Feminismus gemeinsam auf die Straßen tragen!

Kaja Kröger, Denise Loop und Rebecca Morsch